CDU-Vorstoß wirft Fragen zur Vereinsförderung auf
Digitale Plattformen und Kooperationen scheitern häufig nicht an Konzepten – sondern an der Praxis. Ist das so?
- 20.05.2026 um 14:06
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnierenSerie: Ehrenamt und Vereine in Castrop-Rauxel unter Druck (Teil 3)
Wie können Vereine in Castrop-Rauxel besser miteinander vernetzt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich zuletzt der Ausschuss für Bürgeranliegen, Ehrenamt und Sport. Auslöser war ein Vorstoß von Daniela Vogt (CDU), die unter anderem regelmäßige Netzwerktreffen sowie digitale Plattformen zur Zusammenarbeit angeregt hatte.
Die Idee dahinter: Vereine sollen sich einfacher austauschen, gemeinsame Projekte entwickeln oder Materialien und Technik miteinander teilen können.
Bürgermeister Rajko Kravanja reagierte im Ausschuss positiv auf die Vorschläge – machte gleichzeitig aber deutlich, dass es viele solcher Angebote in Castrop-Rauxel bereits gebe. Genannt wurden unter anderem Förderinformationen, Newsletter, Netzwerktreffen, Ausleihmöglichkeiten sowie frühere digitale Kooperationsplattformen.
Die Verwaltung vermittelte dabei den Eindruck, dass weniger fehlende Strukturen das Problem seien – sondern vielmehr die geringe Nutzung bestehender Angebote.
Im Nachgang der Sitzung ergeben sich jedoch neue Fragen.
Denn aus Gesprächen mit Ehrenamtlichen entsteht teilweise ein anderes Bild. Einige Vereinsvertreter berichten, bislang weder Informationen über Ausleihmöglichkeiten noch Einladungen zu Netzwerktreffen oder Hinweise auf digitale Kooperationsangebote erhalten zu haben.
Dadurch stellt sich zunehmend die Frage, welche Vereine tatsächlich erreicht werden – und ob sich bestimmte Angebote möglicherweise vor allem an klassische Sportvereine richten.
Gerade kleinere Initiativen oder Vereine außerhalb des organisierten Sports schildern teilweise, dass sie sich von entsprechenden Strukturen bislang kaum erfasst fühlen.
Eine Anfrage an die Stadtverwaltung mit der Bitte um nähere Informationen zu den beschriebenen Netzwerkmöglichkeiten, Ausleihoptionen sowie zur Frage, welche Vereine konkret eingebunden werden oder wurden, blieb bislang unbeantwortet.
Damit erscheint auch der CDU-Vorstoß in einem anderen Licht. Denn sollte sich bestätigen, dass bestehende Angebote große Teile der Vereinslandschaft gar nicht erreichen, wäre der Bedarf nach einer neuen und breiter aufgestellten Vernetzung möglicherweise größer als zunächst angenommen.
Die Diskussion macht zugleich deutlich, wie unterschiedlich die Vereinslandschaft in Castrop-Rauxel aufgestellt ist. Große Sportvereine verfügen häufig über andere Ressourcen und Kontakte als kleinere Kultur-, Sozial- oder Tierschutzvereine.
Hinzu kommt, dass ehrenamtliches Engagement oft neben Beruf, Familie und weiteren Verpflichtungen organisiert werden muss. Selbst gut gemeinte Angebote helfen deshalb nur dann, wenn sie im Alltag der Vereine tatsächlich ankommen und praktikabel nutzbar sind.
Für die angekündigte Ehrenamtsstrategie der Stadt dürfte genau diese Frage entscheidend werden: Welche Vereine werden tatsächlich erreicht – und welche fallen bislang durchs Raster?
Weitere Artikel der Serie:
Teil 2: Vereine hoffen auf Einnahmen durch Stadionnamen
Teil 1: Fusion im Fußball: kommt der FC Blau-Gelb Castrop-Rauxel?
Transparenzhinweis: Der Autor dieses Artikels ist Vorsitzender eines Castroper Tierschutzvereins sowie Ratsmitglied im Rat der Stadt Castrop-Rauxel. An der Sitzung nahm er als Pressevertreter teil.
- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
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