Verwaltung arbeitet Rückstau bei Einbürgerungen wieder ab
Neue eigenständige Abteilung setzt auf Digitalisierung, Priorisierung und zusätzliche Strukturen
- 16.05.2026 um 15:41
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnierenNach langer Überlastung und erheblichen Rückständen kommt wieder Bewegung in die Einbürgerungsverfahren der Stadt Castrop-Rauxel. Im Betriebsausschuss 1 stellte die Verwaltung jetzt die neu aufgestellte Einbürgerungsstelle vor – verbunden mit dem Signal: Die Abteilung arbeitet den Rückstau wieder aktiv ab und soll künftig deutlich effizienter werden.
Seit dem 1. März 2026 ist der Bereich organisatorisch von der Ausländerbehörde getrennt und arbeitet eigenständig. Nach Angaben der Verwaltung wurden seitdem bereits 73 Einbürgerungen vollzogen. Gleichzeitig laufen aktuell ein Staatsangehörigkeitsfeststellungsverfahren sowie elf Ablehnungsverfahren.
Die Herausforderungen bleiben allerdings groß: Derzeit liegen insgesamt 1.075 offene Einbürgerungsanträge vor. Davon befinden sich 169 Verfahren bereits aktiv in der Bearbeitung. Viele der offenen Anträge stammen noch aus der Zeit bis Januar 2024.
Im Ausschuss erläuterten die Mitarbeiterinnen der Einbürgerungsstelle ausführlich den Ablauf der Verfahren und die neuen organisatorischen Strukturen. Die personelle Ausstattung umfasst derzeit eine Bereichsleiterin, zwei Vollzeitkräfte und vier Teilzeitstellen.
Besonders deutlich wurde, dass die Behörde aktuell von mehreren Entwicklungen gleichzeitig betroffen ist. Zum einen mussten lange Rückstände aus den vergangenen Jahren aufgearbeitet werden. Zum anderen führte die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2024 zu einem deutlichen Anstieg neuer Anträge.
Seit der Gesetzesänderung ist unter anderem die doppelte Staatsbürgerschaft deutlich einfacher möglich. Außerdem wurde die notwendige Aufenthaltsdauer für eine Einbürgerung von acht auf fünf Jahre reduziert. Nach Einschätzung der Verwaltung führte das dazu, dass viele Menschen erstmals einen Antrag stellten oder bereits geplante Einbürgerungen nun umsetzten.
Die Mitarbeiterinnen schilderten im Ausschuss, dass jedes Verfahren individuell geprüft werden müsse. Neben Identitäts- und Sprachprüfungen werden unter anderem Stellungnahmen von Sicherheitsbehörden, Ausländerbehörde und Jobcenter eingeholt. Zusätzlich finden persönliche Gespräche zum Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung statt.
Für die kommenden Monate setzt die Stadt stark auf Digitalisierung. Geplant ist die Anbindung an das bundesweite Serviceportal „Migration Deutschland“. Künftig sollen Einbürgerungsanträge dadurch online gestellt und Bearbeitungsstände digital eingesehen werden können. Die Verwaltung erhofft sich davon eine deutliche Entlastung der Sachbearbeitung und mehr Transparenz für Antragsteller.
Zudem kündigte die Verwaltung an, bestimmte Verfahren künftig gezielt zu priorisieren. So sollen unter anderem in Deutschland geborene Antragsteller mit deutschem Schulabschluss schneller bearbeitet werden können. Dafür werde derzeit ein neues Bearbeitungskonzept vorbereitet.
Im Ausschuss wurde die Arbeit der Mitarbeiterinnen ausdrücklich gelobt. Der Erste Beigeordnete Michael Eckhardt sprach von einem „wirklich guten Team“, das trotz hoher Belastung engagiert arbeite. Gleichzeitig berichteten Beschäftigte auch von schwierigen Situationen im Alltag, darunter Beleidigungen und rassistische Äußerungen einzelner Anrufer.
[Transparenzhinweis: Der Autor dieses Artikels ist Mitglied des Betriebsausschusses 1 sowie Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes Castrop-Rauxel und nahm an der Sitzung teil.]
- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
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