Droht das Aus für den geplanten Hellweg-Baumarkt?
Sanierungsverfahren bringt auch das Projekt in Castrop-Rauxel auf den Prüfstand
- 17.06.2026 um 17:29
- Castrop-Rauxel
Die Baumarktkette Hellweg steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das zuständige Amtsgericht Essen hat dem Antrag bereits zugestimmt. Für Kundinnen und Kunden soll sich zunächst nichts ändern: Alle Märkte bleiben geöffnet, auch der Online-Handel läuft uneingeschränkt weiter. Doch die Zukunft einzelner Standorte – darunter auch ein geplanter Markt in Castrop-Rauxel – wird derzeit überprüft.
Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und führt das Unternehmen weiterhin selbstständig. Anders als bei einer klassischen Insolvenz übernimmt kein Insolvenzverwalter die Leitung des Unternehmens. Stattdessen wird die Geschäftsführung von Sanierungsexperten unterstützt und durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter kontrolliert. Ziel ist es, das Unternehmen mit Hilfe insolvenzrechtlicher Instrumente wirtschaftlich neu aufzustellen und langfristig zu stabilisieren.
Hellweg begründet den Schritt mit einem seit Jahren schwierigen Marktumfeld. Neben einer schwachen Entwicklung der Baumarktbranche hätten steigende Einkaufspreise, höhere Mieten, eine zurückhaltende Konsumstimmung sowie weitere inflationsbedingte Kostensteigerungen die wirtschaftliche Lage zusätzlich belastet.
Von dem Verfahren betroffen sind rund 2.900 Beschäftigte der Hellweg Die Profi-Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden bereits über die nächsten Schritte informiert. Für die Dauer von drei Monaten erhalten sie Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Ob und in welchem Umfang Stellen abgebaut werden, ließ das Unternehmen bislang offen. Auch konkrete Angaben zu möglichen Kündigungen machte Hellweg nicht.
Unklar ist derzeit auch die Zukunft des seit Jahren geplanten Baumarktes in Castrop-Rauxel. Die Baustelle liegt bereits seit längerer Zeit brach. Nach Angaben des Unternehmens ist Hellweg dort nicht Eigentümer des Grundstücks, sondern hatte die Anmietung zur Errichtung eines Baumarktes vorgesehen. Im Rahmen der nun laufenden Sanierung würden sämtliche Standortaktivitäten überprüft. Dies betreffe ausdrücklich auch die Planungen für Castrop-Rauxel.
Ob die Stadt damit weiterhin auf einen neuen Baumarkt hoffen kann, bleibt vorerst offen. Nachdem in Castrop-Rauxel derzeit kein Baumarkt mehr ansässig ist, wäre ein neuer Standort für viele Heimwerker und Handwerksbetriebe von besonderer Bedeutung. Eine Entscheidung über die Fortführung des Projekts steht jedoch noch aus.
Keine Auswirkungen hat das Verfahren nach Unternehmensangaben auf die Gartencenter Augsburg GmbH & Co. KG, die ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehört. Dazu zählt auch die Filiale in Castrop-Rauxel. Die Gartencenter Augsburg seien rechtlich nicht von der Eigenverwaltung betroffen. Kunden könnten dort weiterhin wie gewohnt einkaufen, auch die Arbeitsplätze seien von der aktuellen Entwicklung nicht berührt.
Für die Sanierung hat Hellweg zwei erfahrene Restrukturierungsexperten der Wirtschaftskanzlei GÖRG in die Geschäftsführung berufen. Gemeinsam mit den Gläubigern und dem gerichtlich bestellten Sachwalter soll nun ein Konzept entwickelt werden, das dem traditionsreichen Unternehmen eine langfristige Perspektive eröffnet.
Hellweg betreibt bundesweit 68 Baumärkte, beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in Dortmund. Der erste Markt wurde bereits 1971 eröffnet. Ob die eingeleitete Sanierung erfolgreich verläuft und welche Standorte langfristig erhalten bleiben, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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- Quelle(n):
Autor
Christian Reder
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