Kirche vor schwierigen Entscheidungen: Sparen, umbauen und neu denken
Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Herne berät über Millionen-Einsparungen, Kitas, Klimaschutz und internationale Partnerschaften
- 17.06.2026 um 09:23
- Castrop-Rauxel
Weniger Geld, weniger Mitglieder, steigende Kosten – die evangelische Kirche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Wie diese konkret aussehen könnten, wurde jetzt auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Herne deutlich. Das Kirchenparlament, zu dem auch die evangelischen Gemeinden in Castrop-Rauxel gehören, tagte in Crange und befasste sich mit einer Reihe von Entscheidungen, die die Zukunft der Kirche vor Ort prägen werden.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie der Kirchenkreis auf sinkende Einnahmen reagieren kann. Nach Angaben der Kirchenleitung müssen die Ausgaben bis zum Jahr 2030 deutlich reduziert werden. Die verfügbaren Mittel sollen von derzeit rund 9,3 Millionen Euro auf etwa 6,9 Millionen Euro sinken. Damit steht ein Einsparvolumen von rund 2,4 Millionen Euro im Raum.
Kitas auf dem Prüfstand
Besonders intensiv diskutierten die Synodalen über die Zukunft der evangelischen Kindergärten. Die Kosten für die Kindergartengemeinschaft liegen nach Angaben des Kirchenkreises inzwischen deutlich über den ursprünglich vereinbarten Grenzen. Gleichzeitig besteht bei den Gebäuden ein Sanierungsbedarf von fast acht Millionen Euro.
Deshalb wird derzeit geprüft, ob die Trägerschaft der Einrichtungen künftig auf einen anderen kirchlichen Träger übertragen werden könnte. Sollte dies nicht möglich sein, stehen auch strukturelle Veränderungen innerhalb der bestehenden Kindergartenlandschaft im Raum. Eine Sondertagung der Kreissynode soll sich im September ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen.
Weniger Gebäude, mehr Klimaschutz
Auch die kirchlichen Gebäude rückten in den Fokus. Der Kirchenkreis arbeitet an einem umfassenden Klimaschutzkonzept. Dabei geht es nicht nur um energetische Sanierungen, sondern auch um die grundsätzliche Frage, wie viele Gebäude künftig überhaupt noch benötigt werden.
Kirchen, Gemeindehäuser und weitere Immobilien sollen künftig anhand verschiedener Kriterien bewertet werden. Dazu gehören unter anderem die Auslastung, die Bedeutung für den jeweiligen Stadtteil, die Barrierefreiheit sowie die Kosten für notwendige Sanierungen. Ziel ist es, den Gebäudebestand langfristig wirtschaftlich tragfähig und klimafreundlicher aufzustellen.
Geprüft werden unter anderem der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und weitere Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs.
Schulreferate sollen zusammengelegt werden
Veränderungen sind auch im Bereich des Religionsunterrichts geplant. Mehrere evangelische Kirchenkreise im Ruhrgebiet wollen ihre Schulreferate künftig stärker bündeln. Dadurch sollen Aufgaben gemeinsam organisiert und Kosten eingespart werden, ohne die Unterstützung der Schulen grundsätzlich infrage zu stellen.
Partnerschaft mit dem Kongo wird neu belebt
Neben den Spar- und Strukturthemen gab es auch einen Blick über die Grenzen Deutschlands hinaus. Die langjährige Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo soll künftig wieder intensiver gestaltet werden. Eine neu gebildete Steuerungsgruppe übernimmt die Koordination und möchte den Austausch zwischen Gemeinden, Chören, Kindergärten und weiteren Gruppen fördern.
Für die Partnerschaft stellt der Kirchenkreis jährlich Mittel bereit. Neben einer festen Unterstützung für die Partnerkirche sollen auch Begegnungen und gemeinsame Projekte finanziert werden.
Zukunft des Zeppelinzentrums bleibt offen
Beschäftigt hat die Synode außerdem die Zukunft des Arbeitslosen- und Begegnungszentrums Zeppelin in Wanne-Eickel. Die Einrichtung leistet seit vielen Jahren Beratungsarbeit für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Nachdem das bisherige Gebäude verkauft wurde, muss nun geklärt werden, wie und wo die Arbeit künftig fortgesetzt werden kann.
Eine Arbeitsgruppe soll bis zum kommenden Jahr verschiedene Zukunftsszenarien entwickeln und der Kreissynode zur Entscheidung vorlegen.
Die Beratungen machten deutlich, dass die evangelische Kirche im Ruhrgebiet vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Für die Gemeinden in Castrop-Rauxel geht es dabei nicht nur um organisatorische Fragen, sondern auch um die Zukunft von Kindergärten, Gebäuden, Bildungsangeboten und sozialen Einrichtungen vor Ort.
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- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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