"Castrop-Rauxel, du bist meine Stadt!"
CASNews-Serie "Heimat", Teil V: Marc Stahlberg und ein "Juwel im Revier"
- 17.07.2026 um 16:58
- Castrop-Rauxel
„Wir sind bei ‚Castrop kocht über‘ immer mit einem vollen Platz empfangen worden. Das ist nicht selbstverständlich. Wir wollten der Stadt was zurückgeben und dachten uns: Wir müssen eine Hommage schreiben“, blickt Marc Stahlberg (49) auf das Jahr 2011 zurück. Auf die erste Strophe kam der Sänger der Band Seven Cent, als er morgens im Badezimmer stand und aus dem Fenster in die Sonne guckte. Anschließend dauerte es noch rund ein bis zwei Wochen, bis der gesamte Text stand. „Ich habe zu Hause viel rumgetextet. Wichtige Orte und Dinge, die die Stadt ausmachen, sollten vorkommen.“ Die Musik zum Text entwickelte die Band gemeinsam, und schließlich wurde der Song im Tonstudio „Lager1“ von Marcus Seiler aufgenommen. Aus einer „netten Idee“ wurde eine Stadthymne, die mittlerweile bei vielen Kultstatus besitzt: „Juwel im Revier“.
„Es ist toll, wie die Leute den Song annehmen“, freut sich Marc Stahlberg. WhatsApp-Nachrichten von Bekannten („Mein Sohn hört euer Lied rauf und runter.“) sind kein Einzelfall. „Auch viele Kinder und Teenager kennen und singen es. Wenn ein Lied durch die Generationen getragen wird, ist das der Idealfall.“
„Castrop-Rauxel, du bist meine Stadt“: Für Marc Stahlberg gilt das auf jeden Fall. „Ich wurde hier geboren und bin in Merklinde aufgewachsen. Dort hatte ich eine wunderbare Kindheit. Wir waren kaum digitalisiert, spielten viel im Wald und waren am Baggerloch. Es war überschaubar, nicht zu groß. Ich brauchte keine Großstadt. Die Freunde, die ich hier hatte, haben es ausgemacht. Ich hatte ein Sicherheitsgefühl und ein Gefühl von Geborgenheit. Das alles hat meine Verbundenheit zu Castrop-Rauxel geformt. Viele Klassenkameraden sind nach dem Abi raus aus Castrop und haben sich die Welt angeguckt. Das kam für mich nicht infrage. Ich habe in Düsseldorf studiert, hatte aber nicht den Drang, aus meiner Heimatstadt wegzuziehen.“
Stahlbergs Liebe zur Musik begann ebenfalls in Castrop-Rauxel – und zwar früh. „Im Sandkasten habe ich auf der Schüppe rumgespielt. Das hat die Schüppe nicht gut überstanden. Als ich acht Jahre alt war, hatten meine Eltern ein Einsehen und haben mir zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt. Die einzige Bedingung war, dass ich Gitarrenunterricht nahm, aber das wollte ich ohnehin.“ Nach acht Jahren Unterricht habe ihm die Gitarrenlehrerin gesagt, dass sie ihm nun nichts mehr beibringen könne. „Vorher hat sie mir noch das Rock ’n’ Roll-Schema gezeigt, und damit platzte bei mir der Knoten.“
In der ASG-Schulband war Marc Stahlberg Rhythmus-Gitarrist. Dann gründete sich die Band Pankok Station. Dort war Stahlberg das erste Mal Frontmann. „Am Anfang war man unsicher. Immer wieder fragte man sich: Wie kommt es an? Unser Erfolg war mäßig, aber es hat viel Spaß gemacht.“ Mit dem Ende der Schulzeit kam auch das Ende der Band. Während Stahlbergs Zivildienstzeit in den späten 90er Jahren formierte sich die Band Blackwell, die es bis 2010 gab.
Und 2001 gründete sich Seven Cent. „Wir hatten einen anderen Schlagzeuger und einen anderen Bassisten. Wir probten bei Ferroinspect an der Wartburgstraße und hatten noch kein Piano“, blickt Marc Stahlberg auf die Anfänge zurück. Das erste Konzert fand im „Haus Oe“ statt. „Wir waren aufgeregt und fragten uns: Wird es den Leuten gefallen? Es war gut besucht, und wir hatten Spaß. Danach haben wir immer nur vor vollem Haus gespielt. Wir mussten durch keine Saure-Gurken-Zeit, mussten uns nicht bekannt spielen.“
Seven Cent besteht seit nunmehr 25 Jahren. „Ich hätte nicht gedacht, dass es die Band so lange geben wird“, bekennt Stahlberg. Einmal pro Woche treffen sich die sechs Musiker zur Probe, und in der Regel wird auch einmal die Woche gespielt. Hauptsächlich bringt Seven Cent explosiven Cover-Rock auf die Bühne – oder eben „Juwel in Revier“. Den Song gibt es nun auch in einer neuen Version mit Dustin Lukat (GAP), bekannt durch The Voice of Germany. „GAP, der ebenfalls sehr verbunden mit der Stadt ist, kam auf uns zu, und wir fanden es super, dass er einen eigenen Rap-Part gemacht hat.“ Beim diesjährigen „Castrop kocht über“ wurde „Juwel im Revier v3.0 feat. GAP Bonus Edition 2026“ dann gemeinsam performt. „Es kam super an“, freut sich Marc Stahlberg.
Auch nach so vielen Jahren auf der Bühne verspürt der Seven Cent-Frontmann vor den Auftritten etwas Lampenfieber. „Es ist live, und man weiß nie, was passiert.“ Technische Pannen, einer fliegt von der Bühne, ausgerenkter Daumen (wieder selbst eingerenkt, und weiter gehts): Alles sei schon vorgekommen.
Auch, wenn Marc Stahlberg nicht mehr in Castrop-Rauxel, sondern in Dortmund-Westrich wohnt, fühlt er sich mehr mit seiner Heimatstadt als mit Dortmund verbunden. „Mit Castrop-Rauxel verbindet mich viel mehr. Viele Freunde von mir wohnen dort.“
Und natürlich verbindet ihn auch jede Menge mit Seven Cent. „Es ist mehr als eine Band. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, denn wir haben alle unsere Jobs.“ Marc Stahlberg arbeitet als Architekt und ist beim Bauordnungsamt in Herne angestellt. Seven Cent „soll einfach Spaß machen, und wir möchten die Leute gut unterhalten.“
„Natürlich kommt auch mal der Gedanke auf, mehr Zeit für sich haben zu wollen, aber an Abschied denken wir noch nicht! Und wenn unsere Stadthymne weiter in den Leuten lebt, ist das einfach großartig!“
Newsletter abonnieren - lokal & zuverlässig
Unser kostenloser Newsletter hält Sie täglich über die wichtigsten Nachrichten aus Castrop-Rauxel auf dem Laufenden - direkt ins E-Mail-Postfach.
Jetzt Newsletter abonnieren
- Quelle(n):
Autor
Nina Möhlmeier
Freie Mitarbeiterin
Aktuelle Artikel
Wetter
- Castrop-Rauxel
68%
1.34 km/h