21. April 2026
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Im DRK-Ladenlokal fällt dieses an die Wand gesprayte Bild sofort ins Auge. | Bild: Nina Möhlmeier

"Unsere Ladentür steht allen offen"

DRK-Kleidershop in der Castroper Altstadt ist mehr als ein Geschäft

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„Bedürftig: Was heißt das eigentlich? Wo fängt Bedürftigkeit an und wo hört sie auf? Für uns sind diese Fragen letzten Endes total irrelevant. Unser Ziel ist es, für alle Menschen da zu sein. Unsere Ladentür steht unabhängig vom Geldbeutel allen offen“, sagt Sabrina Lankers. Die Castrop-Rauxelerin ist Leiterin des Kleidershops „Sitzt & Passt – Mode von Mensch zu Mensch“ in der Castroper Altstadt. Im Dezember 2023 öffnete der Kleidershop des DRK-Kreisverbandes Recklinghausen an der Mühlenstraße 8 seine Tür. „Das war eine gute Entscheidung“, so Sabrina Lankers.


Das Ladenlokal wirkt einladend, hell und freundlich, ist nicht überladen, sondern gut strukturiert. Ein gespraytes Bild an der Wand fällt schnell ins Auge. „Angefertigt wurde es von den Sprayerjungs von ‚Goodlack‘“, erklärt die Kleidershop-Leiterin. Prägend hierbei ist der Spruch des DRK-Gründers Henry Dunant: „Zivilisation bedeutet, sich gegenseitig zu helfen.“ „Das Bild reflektiert alles, was wir machen“, so Sabrina Lankers.


Der Kleidershop des Deutschen Roten Kreuzes ist mehr als ein Geschäft, in dem gut erhaltene Second-Hand-Kleidung angenommen und verkauft wird. Er ist auch eine Anlaufstelle, ein Treffpunkt. Manche kommen herein, um einfach „Hallo“ zu sagen. Zum Beispiel die Frau, deren Eltern sehr verbunden mit dem DRK waren. Oder das Ehepaar, das erzählt, dass es früher häufiger zu den Kindern gefahren sei, dies aber aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten nicht mehr umsetzbar sei. „Viele Menschen können sich viele Dinge nicht mehr leisten“, weiß Sabrina Lankers. Genau deshalb möchte man die Preise niedrig halten. Die angebotene Ware kostet im Schnitt zwischen drei und fünf Euro. Immer wieder gibt es Rabattaktionen. Derzeit läuft die „Hosenaktion – nimm 3, zahl 2“.


Das Kundenklientel ist komplett gemischt, ebenso die Beweggründe, Second-Hand-Kleidung zu kaufen. Finanzielle Gründe spielen hier ebenso eine Rolle wie das Thema „Nachhaltigkeit“.


„Durchschnittlich kaufen bei uns rund 300 Kunden im Monat ein“, schätzt Sabrina Lankers. Die Zahl variiere natürlich. Fände beispielsweise die Kirmes statt, habe man mehr Publikum, und auch an verkaufsoffenen Sonntagen sei die Resonanz gut.


Im rund 80 Quadratmeter großen Ladenlokal an der Mühlenstraße werden Kleidung, Schuhe und Accessoires verkauft beziehungsweise können sie hier abgegeben werden. Unterwäsche wird nur angenommen, wenn es sich um Neuware handelt.


Die Spendenbereitschaft ist in Castrop-Rauxel relativ hoch“, freut sich Sabrina Lankers. Was jedoch auffällig sei: Der Anteil an abgegebener Ware, die in keinem guten Zustand sei, nehme zu. „Wir merken immer mehr, dass die Leute nicht mehr so genau hinschauen. Außerdem hat jeder eine eigene Auffassung davon, was noch ‚gut’ ist und was nicht. Wir fragen dann: ‚Würden Sie es selbst noch tragen wollen?‘ Es sind dann ein bis zwei Leute dabei, die kein Verständnis zeigen, aber der Großteil reagiert positiv.“ Zwei der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen hätten in der Schneiderei gearbeitet. „Sie nähen schon mal einen Knopf an, aber das muss im Rahmen bleiben. Wir möchten so viel wie möglich weitergeben und so wenig wie möglich wegschmeißen, aber alles können wir nicht annehmen.“


Dass Menschen häufiger Kleidung, die in einem schlechten Zustand ist, abgeben möchten, könnte mit der "Getrenntsammlungspflicht" zusammenhängen. Seit einem EU-Beschluss dürfen seit Januar 2025 alte Kleidung und Textilien nicht mehr im Hausmüll beziehungsweise Restmüll entsorgt werden. Zerschlissene, verdreckte oder anderweitig kontaminierte Textilien sind hiervon ausgenommen. „Ich bin der Meinung, dass die Aufklärung für den Verbraucher diesbezüglich nicht gut war und ist. Es kommt immer wieder vor, dass Kunden uns fragen, wo sie was entsorgen können“, sagt Sabrina Lankers.


Die abgegebene Kleidung sei häufig mit Erinnerungen verbunden – zum Beispiel an den verstorbenen Partner. Jedes Produkt habe eine Geschichte. Manch einer käme auch mit großen Kartons vorbei, weil der Kleiderschrank ausgeräumt wurde, um Platz für Neues zu schaffen. „Eine Familie brachte 18 blaue Säcke mit Sachen ihrer Zwillinge vorbei“, erinnert sich Sabrina Lankers. Apropos, Kinderkleidung: „Wir haben sie seit einem Jahr nicht mehr dauerhaft im Sortiment, weil der Kinderbereich nicht angenommen wurde“, erklärt Sabrina Lankers. Als es ihn dann nicht mehr gegeben habe, sei immer wieder danach gefragt worden. Daher habe man ein zusätzliches Angebot geschaffen, und so wird Kinderkleidung nun in zwei Aktionszeiträumen – im Mai und Oktober –angeboten. Die nächste Aktion „Kinder- und Jugendmode“ findet vom 4. bis 30. Mai statt. Falls jemand außerhalb dieser Zeiten dringend Kinderkleidung benötige, habe man jedoch welche vorrätig.


Sabrina Lankers ist die einzige hauptamtliche Kraft, die im Kleidershop tätig ist. Ohne den Einsatz der zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitenden (elf Frauen und ein Mann) könnte das Geschäft nicht bestehen. „Sie üben das Ehrenamt neben dem Job aus, bringen sich super ein, geben dem Geschäft seine Struktur und bereiten vor und nach“, erklärt Sabrina Lankers. Eine Leinwand mit Handabdrücken steht sinnbildlich für die ehrenamtliche Arbeit, die Zahl „1748“ für die investierten Arbeitsstunden, um das Projekt an den Start zu bringen.


Wenn es gewünscht wird, stehen die Ehrenamtlichen den Kunden auch beratend zur Seite. „Sie sind sehr ehrlich. Wenn jemandem ein bestimmtes Kleidungsstück nicht steht, sagen sie es“, verrät Sabrina Lankers. Im Ladenlokal gibt es zwei Umkleidekabinen. Die Räume beherbergen zudem eine kleine DRK-Geschäftsstelle und einen Unterrichtsraum für Erste-Hilfe-Lehrgänge und weitere DRK-Aufgabenfelder.


Der Kleidershop finanziert sich durch die Einnahmen. „Es ist kein großer Gewinn, aber er ist so, dass wir uns halten können. Im Moment sieht es gut aus“, freut sich Sabrina Lankers.


Geöffnet hat der Kleidershop dienstags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Zu diesen Zeiten kann auch Kleidung abgegeben werden.


Wer sich ehrenamtlich im Kleidershop einbringen möchte, kann sich bei Sabrina Lankers melden.


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Autor

Nina Möhlmeier

Nina Möhlmeier

Freie Mitarbeiterin