- Bild: CAS-TV Bürgerfernsehen e.V.
Medienpraxis trifft Zeitgeschehen: Schüler produzieren Talkshow zur Wehrpflicht
Kooperationsprojekt von CAS-TV und Willy-Brandt-Gesamtschule gibt Jugendlichen Einblick in Journalismus und Bundeswehr
- 03.02.2026 um 21:02
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnierenIm Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen dem Bürgerfernsehen CAS-TV und der Willy-Brandt-Gesamtschule Castrop-Rauxel fand in diesem Schuljahr erneut ein Ergänzungskurs zum Thema „Filmemachen“ statt. Der Kurs ist Teil des Kunstunterrichts und wird bereits zum zweiten Mal angeboten. Geleitet wird er von der Lehrerin Serife Kartal sowie den beiden CAS-TV-Mitgliedern Jochen Affeldt und Christian Reder, der unter anderem auch für Musik aus Deutschland e. V. tätig ist.
Während im vergangenen Schuljahr noch etwas über 20 Schülerinnen und Schüler an dem Kurs teilnahmen, ist die Gruppe im Schuljahr 2025/26 etwas kleiner. Dadurch ergab sich eine neue Arbeitsweise: Statt vieler Einzelprojekte wurde diesmal gemeinsam an einem größeren Fernsehbeitrag gearbeitet. Den Jugendlichen wurde dabei bewusst ein großer kreativer Freiraum gelassen. Ob Spielfilm, Sportübertragung oder Talkshow – Thema und Format durften sie frei wählen, ohne inhaltliche Vorgaben.
Die sechs teilnehmenden Jugendlichen – Mahmoud (15 Jahre), Tyler (15), Shayen (15), Alessandro (15), Arktim (16) und Dean (17) – entschieden sich gemeinsam für das Format einer Talkshow. Auch das Thema war schnell gefunden: die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Ein Thema, das die Jugendlichen unmittelbar betrifft, denn der Geburtenjahrgang 2008 ist in diesem Jahr der erste, der wieder Musterungsbescheide erhalten und gegebenenfalls zum Wehrdienst einberufen wird. Entsprechend groß war der Informationsbedarf – und die Zahl der offenen Fragen.
Um fundierte Antworten zu erhalten, wandten sich die Kollegen von CAS-TV an das Bundesministerium der Verteidigung mit der Anfrage, ob ein Ausbilder oder eine Jugendoffizierin für ein Interview zur Verfügung stehen würde. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Bereits Anfang Januar meldete sich Hauptmann Maria Eck, Jugendoffizierin der Bundeswehr, und sagte ihre Teilnahme zu. Als Moderatoren waren Tyler, Arktim und Shayen vorgesehen, die sich schon Wochen vorher auf ihren großen Auftritt akribisch vorbereiteten.
Die technische Umsetzung lag ebenfalls vollständig in Schülerhand: Alessandro und Dean übernahmen die Kameraarbeit, während Mahmoud am Regiepult saß und für Schnitt, Ton und Ablauf verantwortlich war. Damit erhielten die Jugendlichen nicht nur Einblicke in journalistische Arbeit, sondern auch in die praktische Fernsehtechnik und Teamarbeit hinter den Kulissen. Näher gebracht wurden ihnen all das von Jochen Affeldt und Christian Reder, die von ihrer Kollegin Sonja Hallermann in mehreren vorhergegangenen Unterrichtsstunden tatkräftig unterstützt wurden.
Kurz vor 14.00 Uhr traf der Gast von der Bundeswehr am Kauermann Zentrum an der Bahnhofstraße ein: Frau Hauptmann Eck kam in Begleitung ihres Vorgesetzten, Oberstleutnant Renner, der sie bei Presseangelegenheiten stets begleitet. Nach einer kurzen Einweisung und einem Technikcheck begann die Aufzeichnung der Talkshow.
Die Schülerinnen und Schüler hatten in den Wochen zuvor eine ganze Reihe interessanter Fragen zusammengetragen, die sie zu diesem Thema besonders beschäftigten. Darunter unter anderem Fragen wie: „Warum wird die Wehrpflicht wieder eingeführt?“, „Gibt es derzeit überhaupt genügend Ausbilder und Kasernen?“ oder auch „Muss ich im Dienst eine Waffe tragen?“ Auch tagesaktuelle Themen fanden Beachtung. So fragten die Jugendlichen Frau Hauptmann Eck nach ihrer Einschätzung zum Russland-Ukraine-Krieg sowie zum Konflikt zwischen Israel und Gaza.
Der Interviewgast beantwortete alle Fragen – mal ausführlich, mal kurz und knackig. Aber stets freundlich und auf Augenhöhe mit ihren Gastgebern. Sie gewährte den Jugendlichen damit tiefe Einblicke in die Abläufe, die durch die im Januar erstmals verschickten Briefe zum neuen Wehrdienst ausgelöst werden.
Dabei ging es unter anderem um Fragen wie: „Was passiert, wenn der Brief ankommt?“, „Muss ich zur Musterung erscheinen?“, „Was ist, wenn ich einfach nicht hingehe?“ oder „Werde ich auch gezogen, wenn ich bereits eine Ausbildung begonnen habe?“ Zu all diesen Punkten erhielten die Jugendlichen ausführlich Auskunft. Rund eine dreiviertel Stunde unterhielten sich die Bundeswehrvertreterin und die drei Schülerinnen und Schüler.
Das Ergebnis ist demnächst beim Kabelsender NRWision im Kabelnetz sowie auf dem YouTube-Kanal des Bürgerfernsehens CAS-TV zu sehen. Die genauen Sendetermine stehen noch nicht fest, werden aber in Kürze vom Bürgerfernsehen bekannt gegeben.
Am Ende zeigten sich alle Beteiligten sehr zufrieden mit dem Mittwochnachmittag. Die anfängliche Aufregung bei den Schülerinnen und Schülern – ebenso wie bei der Lehrerin – war schnell verflogen. Einmal im Flow, entwickelte sich der Dreh nahezu von selbst. Wie alte Hasen führten die drei Jugendlichen durch ihr eigenes Programm, während die Technikcrew an Kamera, Licht und Ton ebenfalls hervorragende Arbeit leistete. Dabei darf nicht vergessen werden, dass keines der Kids zuvor eine solche Erfahrung gemacht hat.
„Das war heute die persönliche Mondlandung der Schüler“, kommentierte Christian Reder nach dem Dreh. Auch sein Kollege Jochen Affeldt zeigte sich begeistert: „Ich freue mich schon auf das nächste Projekt“, sagte er und verwies auf das zweite Schulhalbjahr, in dem bereits das nächste Abenteuer auf die Jugendlichen wartet.
Das Bürgerfernsehen CAS-TV kooperiert nun bereits im zweiten Jahr mit der Willy-Brandt-Gesamtschule. Während im ersten Jahr viele kleine Einzelfilme im Vordergrund standen, entstand in diesem Halbjahr eine Gemeinschaftsproduktion aller Schülerinnen und Schüler. „Wir versuchen immer, die Wünsche unserer Kids zu erfüllen“, sagt Christian Reder. „Der Kurs soll ein bleibendes Erlebnis sein.“
So habe man es ihnen im vergangenen Jahr unter anderem ermöglicht, in der Dortmunder Halle 77, im Deutschen Fußballmuseum, bei der Feuerwehr, in einem Sportverein, in einer Motorradausstellung sowie mit einem echten Mercedes-Oldtimer zu drehen. Auch in diesem Jahr sei dies gelungen – diesmal mit dem Thema Bundeswehr.
Dafür habe Reder direkt Kontakt mit dem Verteidigungsministerium aufgenommen und dort um Unterstützung geworben. „Mal sehen, wohin die Reise noch führen wird“, fügt er hinzu. Welche Ideen die Jugendlichen für das zweite Schulhalbjahr entwickeln werden, bleibt abzuwarten.
„Wir sind jedenfalls bereit, auch diese Wünsche wieder zu erfüllen“, betont Reder. Sollten auch andere Schulen Interesse an einem solchen Kurs haben, können sie sich an CAS-TV wenden. „Wir haben noch Kapazitäten“, erklärt Jochen Affeldt und fügt hinzu: „Wir freuen uns über Bewerbungen und neue interessierte Schüler“.
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- Quelle(n): CASNews & CAS-TV
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Redaktion Allgemein
Allgemeiner Redaktionsaccount. Autor ist der Redaktion bekannt.
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