- Yvonne (49) gibt seit über zehn Jahren Schwimmunterricht. Seit 2022 leitet sie die private Schwimmschule "Yvonne's Lurchis". | Bild: Nina Möhlmeier
"Ertrinkende rufen nicht!"
Tödliche Badeunfälle: Schwimmlehrerin möchte Bewusstsein für das Thema schärfen
- 02.06.2026 um 16:25
- Castrop-Rauxel
Newsletter abonnieren - lokal & zuverlässig
Unser kostenloser Newsletter hält Sie täglich über die wichtigsten Nachrichten aus Castrop-Rauxel auf dem Laufenden - direkt ins E-Mail-Postfach.
Jetzt Newsletter abonnieren„Es ist nicht wie bei Baywatch. Ertrinkende rufen nicht, und sie machen sich auch nicht durch Winken bemerkbar. Das ist ein Mythos, denn die Realität sieht komplett anders aus: Der Körper schaltet in den Überlebensmodus. Er will atmen – da bleibt keine Zeit zum Schreien und Winken“, sagt Yvonne. Die 49-jährige Castrop-Rauxelerin gibt seit über zehn Jahren Schwimmunterricht. Seit 2022 leitet sie die private Schwimmschule „Yvonne’s Lurchis“. „Ich bin jedes Mal erschüttert, wenn ich höre, dass es wieder einen tödlichen Badeunfall gegeben hat. Und wenn Kinder ertrinken, ist es das Schlimmste.“ Yvonne möchte mehr Öffentlichkeit für dieses Thema erreichen. Sie möchte sensibilisieren und das Bewusstsein der Menschen schärfen.
„Im Winter ist dieses Thema genauso wichtig, aber im Sommer gehen natürlich mehr Leute schwimmen“, weiß Yvonne. Mit steigenden Temperaturen steigt auch die Lust auf einen Sprung ins kühle Nass. Auch in diesem Jahr kam es jedoch bereits in mehreren Bundesländern zu tödlichen Badeunfällen. In Herne starb ein 20-Jähriger, als er sich im Rhein-Herne-Kanal abkühlen wollte.
Wer Zeuge eines Überlebenskampfes im Wasser werde, bemerke dies möglicherweise gar nicht, da es eben kein wildes Strampeln und Rufen gebe. Es sei daher wichtig, den Kopf im Auge zu behalten. Tauche er auf und wieder ab? Und bewege sich die Person im Wasser noch? Befinde man sich in Hörweite, könne man denjenigen rufen oder ansprechen. „Ist er in Not, wird er nicht antworten können.“
„Man sollte lieber einmal zu viel hingucken, als zu wenig“, sagt Yvonne. Im Fall der Fälle müsse zügig gehandelt werden, „weil nicht viel Zeit bleibt“. Es könne eine Frage von Sekunden sein.
Dass Selbst- und Fremdrettung erst mit dem Schwimmabzeichen Silber ein Thema werde, greife zu spät, ist Yvonne überzeugt. In ihren Kinderschwimmkursen wird es deshalb bereits im Bronzekurs thematisiert. Dort lernen die Kinder unter anderem, sich auf den Rücken zu legen und treiben zu lassen.
Aber auch schon im Seepferdchenkurs werden die jungen Schwimmer sensibilisiert. „Die Kinder lernen, dass sie Ruhe im Wasser bewahren müssen. Fällt man beispielsweise ins Wasser, ist es wichtig, unter Wasser langsame Bewegungen zu machen. Wird man hektisch und strampelt, geht man schneller unter.“
„Wasser ist eine Urgewalt und hat eine Urkraft. Man muss das respektieren“, erklärt Yvonne. Dies gelte gleichermaßen für Kinder und Erwachsene. Das Seepferdchen sei kein Indiz für sicheres Schwimmen – Bronze sei hingegen ein guter Gradmesser. Praktische Prüfungsleistungen sind hierbei ein Kopfsprung vom Beckenrand und 15-minütiges Schwimmen. In dieser Zeit sind mindestens 200 Meter zurückzulegen, davon 150 Meter in Bauch- oder Rückenlage „in einer erkennbaren Schwimmart“ und 50 Meter in der anderen Körperlage. Zudem muss man rund zwei Meter tief tauchen und dabei einen Gegenstand heraufholen. Ein „Paketsprung“ vom Startblock oder Ein-Meter-Brett ist ebenfalls Teil der Prüfung.
Für Yvonne zählt auch richtiges Atmen zum sicheren Schwimmen. „Wenn die Arme lang sind, wird ausgeatmet. Wer hektisch schwimmt, kann nicht gut atmen.“
Seien Erwachsene unsicher, wie es um die eigenen Schwimmfähigkeiten bestellt sei, könnten sie sich fragen, ob sie alles schaffen würden, was für ein Bronzeabzeichen verlangt werde, so Yvonnes Tipp.
Und seien Eltern hinsichtlich ihrer Kinder unsicher, könnte der „Seepferdchen-Check“ weiterhelfen: Yvonne bietet ihn noch bis zu den Sommerferien freitagnachmittags im Parkbad Nord an – und zwar kostenlos. Eine vorherige Anmeldung ist unbedingt erforderlich (Kontaktdaten sind über die Facebook-Seite von „Yvonne’s Lurchis“ erhältlich). Lediglich der Eintritt ins Freibad muss selbst getragen werden.
„Beim Seepferchen-Check gucke ich, ob sich die Kinder gut im Wasser verhalten. Können sie tauchen? Können sie 25 Meter schwimmen? Können sie ins Wasser springen?“
Der „Seepferdchen-Check“ könne ein Baustein sein. Es sei jedoch ebenso wichtig, dass Eltern ihren Kindern beibrächten, achtsam im Wasser zu sein. Gleichermaßen sollten auch Eltern achtsam sein und ihre Kinder immer im Blick haben. Für Kinder, die nicht schwimmen könnten, gelte, nicht tiefer als bis zum Bauch ins Wasser zu gehen.
Und was ist mit Erwachsenen, die sich beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad nicht hundertprozentig sicher fühlen? „Sie sollten am Rand schwimmen, sodass sie sich notfalls jederzeit festhalten können“, rät Yvonne.
Sei man beispielsweise in einem See zu weit rausgeschwommen und habe plötzlich keine Kraft mehr, um zurückzuschwimmen, könne man sich auf den Rücken legen, um sich auszuruhen. Habe man etwas Kraft getankt, könne man ein Stück schwimmen und sich anschließend wieder ausruhen. „So kommt man Stück für Stück zurück ans Ufer.“
„Schwimmen ist lebenswichtig“, betont Yvonne. Ihre Schwimmkurse für Kinder – Seepferdchen und Bronze – bietet sie einmal wöchentlich im Hallenbad an der Bahnhofstraße, im Parkbad Nord (während der Freibadsaison) und im Dortmunder Südbad an. Die Kurse finden in Kleinstgruppen (drei bis vier Kinder) statt, die Wartezeit beträgt rund neun bis zehn Monate. Die Kinder seien in der Regel vier oder fünf Jahre alt, wenn sie zu „Yvonne’s Lurchis“ kämen. Wie lange es dauere, bis ein Schwimmabzeichen abgelegt werde, hänge vom jeweiligen Kind ab. „Bisher ist Tom unser Spitzenreiter: Er hat in fünf Wochen sein Seepferchen gemacht“, berichtet Yvonne. Es gebe auch Kinder, die anderthalb Jahre bräuchten – um sich dann angstfrei und ruhig im Wasser bewegen zu können.
„Habt Spaß im Wasser, aber achtet aufeinander“, sagt die Schwimmlehrerin.
Autor
Nina Möhlmeier
Freie Mitarbeiterin
Aktuelle Artikel
Zwei Becken nach Saisonstart gesperrt
- 02.06.2026
DLRG bildet neue Einsatzgruppe
- 02.06.2026
Verkehrsbeschränkungen während "CKÜ"
- 01.06.2026
Grundschulen öffnen ihre Türen
- 01.06.2026
Auto prallt gegen Hauswand
- 01.06.2026
Wetter
- Castrop-Rauxel
67%
3.99 km/h