"Die Leute sind empört!"
Trauerhalle in Henrichenburg: Bestatter Ludger Bialas wartet weiter auf Signal der Stadtverwaltung
- 24.04.2026 um 17:18
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnieren„Für mich wäre es eine Herzensangelegenheit gewesen, die Trauerhalle für Henrichenburg instand setzen zu lassen. Das scheint die Stadtverwaltung jedoch nicht zu interessieren“, sagt Bestatter Ludger Bialas. CASNews hatte am 20. März über die Situation rund um die Trauerhalle auf dem Henrichenburger Friedhof berichtet. Einige Tage später suchte Ludger Bialas per E-Mail erneut den Kontakt zur Verwaltung. „Ich habe bis heute keine Antwort erhalten“, sagt Bialas.
Zum Hintergrund: Seit 2017 hatte Ludger Bialas die Trauerhalle bis zu deren Schließung im März 2025 von der Stadt gemietet. In seinen Zuständigkeitsbereich fielen die inneren Räume, während die Stadt für das Gebäude verantwortlich war. Dieser Verantwortung sei sie jedoch zu keinem Zeitpunkt nachgekommen, so Bialas. Schließlich wurde ein Bauzaun um die Halle errichtet, da sie nach Aussagen der Stadt nicht mehr sicher gewesen sei. Im Mai 2025 habe Bürgermeister Rajko Kravanja dem Bestatter in einem Gespräch vorgeschlagen, die Trauerhalle zu kaufen. Bialas war sehr interessiert, es folgten mehrere Gespräche mit der Stadt, jedoch habe es nie ein Kaufangebot gegeben und er sei trotz mehrerer Nachfragen immer wieder vertröstet worden. Auf CASNews-Anfrage begründete der mittlerweile für den Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen zuständige EUV Stadtbetrieb dies damit, dass Bialas zunächst ein Nutzungskonzept einreichen müsse. In einem unserer Redaktion vorliegenden Gesprächsprotokoll vom August 2025 zwischen EUV und Ludger Bialas wird ein zu erstellendes Nutzungskonzept indes nicht erwähnt. „Mein Nutzungskonzept ist, die Trauerhalle als solche zu nutzen. Das war den Verantwortlichen hinlänglich bekannt. Es war nie die Rede davon, dass ich es schriftlich einreichen muss“, erklärt Bialas.
„Ich hatte vor, die Trauerhalle zu erweitern, damit dort mehr Platz für Bestuhlung ist. Ein Kolumbarium sahen meine Pläne nicht vor“, sagt Ludger Bialas. „60.000 bis 70.000 Euro müsste man für die Sanierung investieren“, so seine Schätzung. Möglicherweise müsse man mittlerweile mehr Geld in die Hand nehmen. „Seit ich nicht mehr Mieter der Trauerhalle bin, habe ich sie nicht mehr betreten. Ich weiß daher nicht, ob noch weitere Schäden aufgetreten sind.“
Immer wieder werde er auf die Situation angesprochen. „Die Leute sind empört und sagen, dass das ein Zustand ist, der so nicht bleiben kann. Das hat nichts mehr mit Menschenwürde zu tun, und es ist auch ein No-Go, ein Dixi-Klo neben die Trauerhalle zu stellen!“
„Was soll mit der Trauerhalle passieren?“, fragt sich nicht nur Ludger Bialas.
Eine Sanierung der Trauerhalle sei gebührenrechtlich und wirtschaftlich „leider nicht vertretbar. Ein Abriss ist jedoch nicht vorgesehen“, hatte EUV-Sprecherin Sabine Latterner im März gegenüber CASNews erklärt.
„Die Stadt muss die Trauerhalle ja nicht verkaufen, aber dann soll sie sie renovieren und vermieten. Durch die Nichtnutzung entgehen der Stadt ja auch Einnahmen. Wartet man noch länger, wird das Gebäude irgendwann komplett marode sein – und dann wird es abgerissen“, ist Bialas überzeugt.
Er hoffe, dass die Trauerhalle erhalten bleibe und „die Leute auch die Möglichkeit haben, sie zu nutzen. Sie befindet sich schließlich direkt an dem Ort, an dem auch die Bestattung stattfindet. Viele Menschen sind aus der Kirche ausgetreten, Beerdigungen sind oft nicht mehr konfessionsgebunden. Man braucht demnach einen Ort, an dem eine Trauerfeier abgehalten werden kann. Friedhofsgebühren sind keine kleinen Beträge. Das muss der Bevölkerung dann doch auch zugute kommen!“
Ludger Bialas hat mittlerweile auf die Situation reagiert beziehungsweise reagieren müssen. Er hat die Räumlichkeiten seines Bestattungsinstituts an der Hebewerkstraße in Henrichenburg umgebaut, sodass dort nun kleine Trauerfeiern stattfinden können. „Ich hatte keine andere Wahl, denn ich muss den Leuten ja eine Möglichkeit schaffen.“ Und so sei der Raum, indem sich zuvor die Sargausstellung befunden habe, umgebaut worden und biete nun Bestuhlung für 25 Personen. Die Sargausstellung ist mittlerweile Bestandteil der Dattelner Bestattungsfiliale.
Für größere Trauerfeiern stehen Ludger Bialas dank Pfarrer Leonhard Backmann und Pfarrer Dominik Kemper das Maximilian-Kolbe-Haus beziehungsweise die evangelische Erlöserkirche zur Verfügung. „Im Kolbe-Haus habe ich bisher rund zehn Trauerfeiern durchgeführt, im Bestattungsinstitut waren es ca. vier“, schätzt Bialas. Er hofft nach wie vor, dass künftig auch wieder Trauerfeiern an dem Ort abgehalten werden können, der dafür prädestiniert ist: die Trauerhalle auf dem Henrichenburger Friedhof.
Wie soll und wird es an der Trauerhalle weitergehen? Ist geplant, sich noch einmal mit Ludger Bialas an einen Tisch zu setzen? Gibt es möglicherweise Pläne, die Trauerhalle an jemand anderen zu verkaufen? Gibt es weitere Interessenten? Dies wollten wir vom EUV Stadtbetrieb wissen. „Grundsätzlich geht man lösungsorientiert mit dem Thema um“, sagt EUV-Sprecherin Sabine Latterner. „Um sich hier weitergehend mit dem Thema zu beschäftigen und nach möglichen Lösungen zu suchen, ist derzeit die Neu-Implementierung eines Arbeitskreises und dessen Sitzung in Vorbereitung. Der Arbeitskreis soll zeitnah einberufen werden.“
Aus „Gründen der Transparenz und Gleichbehandlung“ seien potenzielle Interessenten nicht ausgeschlossen. „Alle Interessenten werden aber um Vorlage eines prüffähigen Sanierungskonzeptes gebeten“, so Sabine Latterner.
Die Frage, ob man sich noch einmal mit Ludger Bialas zusammensetzen wird, bleibt unbeantwortet. Ob er zur Sitzung des Arbeitskreises eingeladen wird, ist ebenfalls unklar.
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Autor
Nina Möhlmeier
Freie Mitarbeiterin
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