Dienstag, 28. Juli 2026
Newsletter-AnmeldungNewsletter
Unterstützen Sie CASNews!
1.045 € von 5.000 € (21%)
Image
Bild: Nils Bettinger

TuS Henrichenburg trennt sich von AfD-Direktkandidat Baumert als sportlichem Leiter

Kontroverse um umstrittene Äußerungen zu Halal-Schulessen führt zu personellen Konsequenzen beim Traditionsverein

Vorlesen
Text:
Werbung

Nach tagelanger Kontroverse um umstrittene Äußerungen seines AfD-Kandidaten ist Lukas Baumert nicht mehr sportlicher Leiter der ersten Mannschaft beim TuS Henrichenburg. Der Fall zeigt exemplarisch, wie sich eine lokale Schulessen-Diskussion zu einem politischen Konflikt ausweiten kann.


Die Chronologie des Falls beginnt Ende Juli mit einer scheinbar harmlosen Nachricht: Der Caterer "Muttis Küche" hatte die Ausschreibung für das Mensaessen an den weiterführenden Schulen der Stadt gewonnen. Was zunächst unbemerkt blieb, sollte wenige Tage später für heftige Diskussionen sorgen.


Am 29. Juli 2025 berichtete RTL über einen ähnlichen Fall in Gelsenkirchen, wo herauskam, dass "Muttis Küche" ausschließlich Fleisch mit Halal-Zertifizierung in die Mensen bringt. Der RTL-Bericht entfachte auch in Castrop-Rauxel eine hitzige Debatte in den sozialen Medien und Kommentarspalten.


Wenige Tage später schaltete sich Lukas Baumert, der unter seinem früheren Namen „Balassas“ bekannt war und als sportlicher Leiter beim TuS Henrichenburg fungierte, in die Diskussion ein. Als Direktkandidat der AfD für den Wahlkampf veröffentlichte er ein Video zum Thema Halal-Schulessen.


In dem Video sprach sich Baumert gegen Halal-Essen in Schulen aus und warnte vor einem "schleichenden Prozess" der "Islamisierung". Er sagte unter anderem, "deutschen christlichen Kindern solle kein muslimisches Essen aufgezwungen werden" und verwies darauf, dass Halal-Schlachtung in Deutschland verboten sei, weshalb entsprechendes Fleisch importiert werden müsse. Das Video wurde später von der AfD wieder gelöscht. CASNews und die Ruhr Nachrichten berichteten über die Diskussion, die sich zu einem politischen Streitthema entwickelte.


Wenige Tage später stellten die Ruhr Nachrichten der AfD Castrop-Rauxel fünf Fragen zu Baumert. Besonders brisant war die fünfte Frage, in der erkundigt wurde, „ob Baumert bewusst sei, dass eine Person mit demselben Namen in der NS-Zeit als SA-Führer tätig war – und wie er diese Namensverwendung bewertet“.


Die AfD reagierte empört und veröffentlichte am 8. August eine Pressemitteilung, in der sie die Fragen als "Rufschädigung" bezeichnete und von einem „inszenierten Versuch“ sprach, Baumert öffentlich zu diskreditieren. In der Mitteilung hieß es: „Diese Fragen zielen nicht auf Information, sondern auf Rufschädigung.“ Die Partei warf der Redaktion ein „tendenziöses Spiel“ vor und kündigte an, die Fragen nicht zu beantworten.


Am 13. August veröffentlichte RN-Redakteur Janis Czymoch einen ausführlichen Artikel, der Baumert erstmals öffentlich mit dem TuS Henrichenburg in Verbindung brachte. Der Bericht zitierte sowohl Baumerts eigene Stellungnahme als auch Reaktionen des Vereins und des Bürgermeisters.


Am selben Tag kündigte Marcus Liedschulte vom Ratsmitglied der Partei Die PARTEI für den 24. August eine Kundgebung unter dem Motto "Kein Fußball den Faschisten" an. In der Facebook-Veranstaltung forderte das „Castroper Bündnis“ den TuS Henrichenburg auf, „sich von einem sportlichen Leiter, der für eine rechtsextremistische Partei als Kandidat antritt, zu trennen“.


Der Druck auf den Traditionsverein wuchs weiter, als Die PARTEI am gleichen Tag eine Pressemitteilung veröffentlichte, die auch von CASNews aufgegriffen wurde.


Am 14. August veröffentlichte der TuS Henrichenburg schließlich eine ausführliche Stellungnahme auf Facebook. In dem Text, der sich direkt an RN-Redakteur Janis Czymoch richtet, hieß es: „‚Balla‘, wir nennen ihn bei seinem Spitznamen, da dir ja sein Name große Probleme bereitet und dich stundenlange Recherchen gekostet hat, ist nicht mehr länger ‚Sportlicher Leiter‘ unserer ersten Mannschaft.“


In einer ergänzenden Mitteilung an unsere Redaktion erklärte der Verein: „Der TuS ist zu dem Entschluss gekommen, dass man sich vom sportlichen Leiter trennt. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, da Lukas eine klasse Vereinsarbeit geliefert hat. Aber auch Lukas war klar, dass eine weitere Ausübung als sportlicher Leiter nicht zielführend ist.“


In der ersten Stellungnahme betonte der Verein zudem seine Werte: „Wir leben die Werte unserer Präambel der Vereinssatzung und dies im Rahmen der Demokratie.“


Die für den 24. August geplante Kundgebung ist weiterhin online. Zusagen und Interessensbekundungen werden noch angenommen. Marcus Liedschulte kommentierte am 14. August bei Facebook: „Angeblich ist Lukas Balassas kein sportlicher Leiter der 1. Mannschaft mehr. Begriffen hat der TuS Henrichenburg allerdings nichts. So bleibt er doch der liebe Balla und man geht in die übliche Opferrolle.“


Der Fall zeigt, wie sich lokale Themen in Zeiten politischer Polarisierung schnell zuspitzen können. Was mit der Diskussion über Halal-Essen in Schulkantinen begann, führte zu personellen Konsequenzen in einem Traditionsverein – und zu gegensätzlichen Bewertungen, ob es sich um eine politische Kampagne oder notwendige Abgrenzung handelt.


Newsletter abonnieren - lokal & zuverlässig

Unser kostenloser Newsletter hält Sie täglich über die wichtigsten Nachrichten aus Castrop-Rauxel auf dem Laufenden - direkt ins E-Mail-Postfach.

Jetzt Newsletter abonnieren

  • Quelle(n): CASNews

Autor

Nils Bettinger

Nils Bettinger

Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.

Castrop-Rauxel im Postfach

Die wichtigsten Lokalnachrichten – kostenlos per Newsletter.

Jetzt anmelden