Neubau der Feuerwache: Stadt will Auftrag über knapp 78 Millionen Euro vergeben
Rat entscheidet über Planung und Bau der neuen Feuer- und Rettungswache
- 14.07.2026 um 17:36
- Castrop-Rauxel
Mit dem Neubau der Feuer- und Rettungswache an der Habinghorster Straße steht eines der größten Bauprojekte der jüngeren Stadtgeschichte vor einer entscheidenden Hürde. Der Rat der Stadt Castrop-Rauxel soll den Auftrag für Planung und Bau vergeben. Allein dieser Teil des Projekts hat ein Volumen von rund 77,98 Millionen Euro brutto. Hinzu kommen über 25 Jahre weitere Kosten für Betrieb, Wartung und Instandhaltung. Welche Summe dafür kalkuliert wird, hält die Stadt derzeit nichtöffentlich.
Die bisherige Feuer- und Rettungswache an der Frebergstraße wurde 1954 in Betrieb genommen und 1986 erweitert. Nach Angaben der Stadt wird sie heutigen Anforderungen an Arbeitsschutz, Feuerwehr und Rettungsdienst zunehmend nicht mehr gerecht. Auch der vorhandene Platz reicht für die aktuellen und künftigen Aufgaben kaum noch aus.
Der Rat hatte deshalb bereits 2022 grundsätzlich beschlossen, eine neue Feuer- und Rettungswache zu errichten. Sie soll auf dem Gelände des ehemaligen Klöckner-Kraftwerks an der Habinghorster Straße und der Klöcknerstraße entstehen. Das notwendige Planungsrecht liegt inzwischen vor.
Knapp 78 Millionen Euro für Planung und Bau
Der nun zur Vergabe anstehende Auftrag umfasst nicht nur den eigentlichen Bau. Der Auftragnehmer soll die Feuer- und Rettungswache vollständig planen, errichten und während der Bauzeit zwischenfinanzieren. Der angebotene Preis beträgt 65.526.942,88 Euro netto. Bei einem Umsatzsteuersatz von 19 Prozent entspricht dies 77.977.062,03 Euro brutto.
Maßgeblich für den Vertrag ist der Nettopreis. Der tatsächlich zu zahlende Betrag kann sich bis zur Zuschlagserteilung noch geringfügig verändern, weil die Konditionen der Bauzwischenfinanzierung an den dann geltenden Ein-Monats-Euribor gekoppelt werden. Das darüber hinausgehende Zinsänderungsrisiko während der Bauphase trägt nach Angaben der Stadt der Auftragnehmer.
Ein Auftragnehmer für Planung, Bau und 25 Jahre Betrieb
Castrop-Rauxel vergibt das Projekt nicht in zahlreichen einzelnen Aufträgen. Stattdessen sollen Planung, Bau, Bauzwischenfinanzierung und ausgewählte Betriebsleistungen als Gesamtpaket an einen Vertragspartner gehen. Die Stadt bezeichnet dieses Modell als „Paketvergabe über den Lebenszyklus“ oder auch als „ÖPP light“.
Kurz erklärt: Was bedeutet „ÖPP light“?
Die Stadt schreibt nicht jedes Gewerk einzeln aus, sondern vergibt ein Gesamtpaket:
- Ein Auftragnehmer plant die neue Feuer- und Rettungswache.
- Derselbe Auftragnehmer errichtet das Gebäude.
- Er finanziert die Baukosten zunächst zwischen.
- Anschließend übernimmt er 25 Jahre lang ausgewählte Betriebs-, Wartungs- und Instandhaltungsleistungen.
Dadurch liegen Planung, Bau und ein wesentlicher Teil der späteren Gebäudeverantwortung in einer Hand. Vertraglich zugewiesene Risiken, etwa bestimmte Kostensteigerungen oder Mängel innerhalb des Verantwortungsbereichs des Auftragnehmers, sollen damit nicht automatisch bei der Stadt landen.
Die Stadt hat bei dieser Vergabe vor allem beschrieben, welche Funktionen und Qualitätsstandards das Gebäude erfüllen muss. Für die konkrete Planung und technische Umsetzung ist der Auftragnehmer verantwortlich. Weil derselbe Vertragspartner das Gebäude später über viele Jahre warten und instand halten soll, besteht für ihn zugleich ein Anreiz, langlebig und möglichst wirtschaftlich zu bauen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Risiken vollständig von der Stadt verschwinden. Änderungen des Umsatzsteuersatzes gehen beispielsweise zugunsten oder zulasten der Stadt. Auch die langfristige Finanzierung des Projekts und die vereinbarten Zahlungen bleiben städtische Verpflichtungen.
Fast 10.000 Quadratmeter Nutzfläche
Die neue Feuer- und Rettungswache soll eine Nutzfläche von rund 9.971 Quadratmetern erhalten. Vorgesehen sind die erforderlichen Bereiche für Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst und Freiwillige Feuerwehr sowie Außenanlagen, Stellplätze, Fahrradplätze und Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge.
In die neue Wache soll künftig auch der Löschzug 3 der Freiwilligen Feuerwehr aus Habinghorst einziehen. Der derzeit an der Frebergstraße untergebrachte Löschzug 1 wird dagegen nicht mit an den neuen Standort wechseln. Für ihn muss die Stadt langfristig einen anderen Standort oder eine geeignete Immobilie finden.
Das Gebäude soll mindestens dem Energiestandard KfW 40 entsprechen und eine sogenannte QNG-Plus-Zertifizierung erhalten. Dabei handelt es sich um ein Qualitätssiegel für nachhaltige Gebäude. Die Zertifizierung ist Bestandteil des Auftrags und muss vom Auftragnehmer erreicht werden.
Qualität und Preis zählten jeweils zur Hälfte
Bei der Auswahl des Auftragnehmers sollte nicht allein der niedrigste Preis entscheiden. Die Stadt bewertete die Angebote zu 50 Prozent nach dem Preis und zu 50 Prozent nach qualitativen Kriterien.
Bewertet wurden unter anderem Architektur und städtebauliche Einbindung, Funktionalität, Nachhaltigkeit, Energieversorgung, Materialien, Gebäudemanagement sowie die Qualität der vorgesehenen Planungs-, Bau- und Betriebsabläufe.
Zu Beginn des Verfahrens hatten sich drei Unternehmen oder Bietergemeinschaften beworben. Alle drei wurden zunächst als geeignet eingestuft. Einer der Bewerber zog sich später aus Kapazitätsgründen zurück. Zwei Bieter legten vorläufige Angebote vor und nahmen an umfangreichen Gesprächen und Überarbeitungsrunden teil. Am Ende reichte jedoch nur noch ein Bieter ein finales Angebot ein. Der zweite verbliebene Bieter verzichtete nach Angaben der Stadt ebenfalls aus Kapazitätsgründen auf die erforderliche Überarbeitung und Neukalkulation.
Welches Unternehmen den Auftrag erhalten soll, wird in der öffentlichen Vorlage noch nicht genannt. Da das Vergabeverfahren erst mit der Zuschlagserteilung formal abgeschlossen ist, wird der Bieter dort lediglich mit einer Nummer bezeichnet.
Betriebskosten bleiben vorerst unter Verschluss
Zusätzlich zu Planung und Bau sollen ausgewählte Gebäudemanagementleistungen für 25 Jahre beauftragt werden. Dazu zählen unter anderem technisches Gebäudemanagement, Wartung, Inspektion, Instandsetzung, Energiemanagement sowie Reinigungs- und Außenanlagenpflege.
Wie viel die Stadt dafür über den gesamten Zeitraum zahlen soll, geht aus der öffentlichen Vorlage nicht hervor. Die entsprechenden Angaben befinden sich in nichtöffentlichen Vorlagen für die politischen Gremien. Nach Angaben der Verwaltung ist eine Veröffentlichung derzeit insbesondere aus vergaberechtlichen Gründen nicht möglich.
Damit ist öffentlich bislang nur der Preis für Planung, Bau und Bauzwischenfinanzierung bekannt. Die langfristigen Gesamtkosten des Projekts einschließlich der vereinbarten Betriebsleistungen lassen sich für Bürger derzeit nicht beziffern.
Finanzierung voraussichtlich über einen Kommunalkredit
Die vollständige Bausumme soll nach derzeitigem Stand im Jahr 2029 fällig werden. Der Rat hat dafür Verpflichtungsermächtigungen von bis zu 85,25 Millionen Euro beschlossen. Weil Castrop-Rauxel sich weiterhin in einer schwierigen Haushaltslage befindet, muss die Kommunalaufsicht der Inanspruchnahme zustimmen. Die Stadt hat diese Zustimmung Ende Juni beantragt und erwartet eine zeitnahe Entscheidung.
Als wesentliches Finanzierungsinstrument nennt die Verwaltung einen Kommunalkredit. Die Stadt hat nach eigenen Angaben bereits erste Gespräche mit Kreditinstituten geführt. Die Kommunalaufsichtsbehörden betrachten den Neubau grundsätzlich als unabweisbare Investition, weil Feuerwehr und Rettungsdienst gesetzliche Pflichtaufgaben erfüllen.
Zusätzlich will die Stadt eine Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau beantragen. Möglich wäre ein Zuschuss von höchstens einer Million Euro. Das Geld würde jedoch erst ausgezahlt, wenn nachgewiesen ist, dass das fertige Gebäude tatsächlich die geforderten Energie- und Nachhaltigkeitsstandards erfüllt.
Ein Teil kann über Rettungsdienstgebühren zurückfließen
Ein Teil der Kosten soll langfristig über den Rettungsdienst refinanziert werden. Flächen, die ausschließlich oder anteilig für den Rettungsdienst genutzt werden, können grundsätzlich in die Gebührenkalkulation einfließen. Diese Gebühren werden überwiegend von den Krankenkassen getragen.
Nach bisherigen Gesprächen hält die Stadt mindestens 25 Prozent der Gebäudefläche für sicher refinanzierbar. Aus Sicht der Verwaltung könnten es voraussichtlich rund 35 Prozent sein. Diese höhere Quote ist mit den Krankenkassen aber noch nicht abschließend abgestimmt.
Die Refinanzierung erfolgt nicht als einmaliger Zuschuss zum Bau. Die entsprechenden Einnahmen würden über viele Jahre hinweg über die Rettungsdienstgebühren in den städtischen Haushalt zurückfließen.
Alte Standorte bringen voraussichtlich keinen großen Finanzierungsbeitrag
Nach dem Umzug könnten die Grundstücke der bisherigen Feuer- und Rettungswache an der Frebergstraße sowie des Löschzugs 3 an der Dornbachstraße anderweitig genutzt oder verwertet werden.
Die Stadt sieht insbesondere an der Frebergstraße Chancen für eine spätere Wohnbebauung. Allerdings müssten die dortigen Gebäude voraussichtlich vollständig abgerissen werden. Zudem benötigt der Löschzug 1 noch einen Ersatzstandort, der ebenfalls Geld kosten wird. Deshalb erwartet die Verwaltung durch die Verwertung der bisherigen Standorte insgesamt keinen nennenswerten Beitrag zur Finanzierung der neuen Wache.
Zuschlag könnte noch im Juli erfolgen
Der Rat soll die Verwaltung nun ermächtigen, dem verbliebenen Bieter den Zuschlag zu erteilen. Voraussetzung sind unter anderem die Zustimmung der Kommunalaufsicht und die notwendigen förderrechtlichen Bedingungen.
Nach derzeitigem Zeitplan könnte der Zuschlag noch im Laufe des Juli erfolgen. Anschließend beginnen die weitere Planung und die Bauphase. Die Stadt geht davon aus, nach den Sommerferien ausführlicher über den Auftragnehmer, die konkrete Planung, den Zeitplan und weitere Einzelheiten informieren zu können.
Das Gelände des früheren Klöckner-Kraftwerks muss parallel zum Neubau erschlossen werden. Geplant sind unter anderem neue Kanäle, Regenrückhaltebecken und eine neue Straßenanbindung über den Kreisverkehr an der Klöcknerstraße. Auch zusätzliche Verträge mit dem EUV Stadtbetrieb als Grundstückseigentümer müssen noch abgeschlossen werden.
Newsletter abonnieren - lokal & zuverlässig
Unser kostenloser Newsletter hält Sie täglich über die wichtigsten Nachrichten aus Castrop-Rauxel auf dem Laufenden - direkt ins E-Mail-Postfach.
Jetzt Newsletter abonnierenBildergalerie (2 Bilder)
- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
Aktuelle Artikel
Wetter
- Castrop-Rauxel
61%
1.79 km/h