03. Juli 2026
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Christian Reder ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins "Musik aus Deutschland". | Bild: Nina Möhlmeier

"Nicht nur auf TikTok gucken, was andere tun, sondern selbst aktiv werden"

CASNews-Serie "Heimat", Teil III: Christian Reder, "Musik aus Deutschland e.V." und Jugendförderung

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Obercastrop ist meine Heimat, mein Stadtteil. Ich möchte dazu beitragen, dass es hier belebt ist und die Gemeinschaft bleibt“, sagt Christian Reder. Der 54-Jährige ist gebürtiger Castrop-Rauxeler und das Gesicht des gemeinnützigen Kulturvereins „Musik aus Deutschland“. Mit Christian Reder geht die CASNews-Heimat-Serie in die dritte Runde.


Bühnenprogramme und Kulturunterstützung sind zwei elementare Aufgaben des 2010 gegründeten Vereins. Außerdem engagiert sich „Musik aus Deutschland e.V.“ in der Jugendförderung. Nach fast zweijähriger Suche habe man im Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth an der Bochumer Straße 94 nun „den perfekten Standort“ für ein Jugendprojekt gefunden, dessen Ziel es ist, Jugendlicheweg vom Smartphone, zurück ins reale Leben zu holen. Wir möchten, dass sie nicht nur auf TikTok gucken, was andere tun, sondern sie sollen selbst aktiv werden, und wir bieten ihnen die Plattform hierzu“, erklärt Christian Reder. Ob in den Bereichen Musik, Theater oder Comedy: Jeder, der Lust hat, sich künstlerisch auszuprobieren, ist herzlich willkommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Anfänger ist oder nicht. Und was letzten Endes entsteht, haben die Jugendlichen selbst in der Hand. Der Verein reagiere flexibel auf Bedarfe und könne dank eines großen Netzwerks auf Experten aus den einzelnen Bereichen zurückgreifen. „Wenn die Teilnehmer beispielsweise ein eigenes Stück erarbeiten wollen, werden sie von uns in jeglicher Form unterstützt“, so Reder. Ob Musikinstrument, Comedyauftritt, Theaterstück, Podcast, Hörspiel und und und: „Alles, was künstlerisch möglich ist, versuchen wir, möglich zu machen.“


Das Angebot für Jugendliche ab 12 Jahren ist kostenlos. „Wir möchten Kunst für jedermann anbieten“, sagt Christian Reder. Es handele sich um ein offenes Angebot, sodass man bei Interesse ab sofort auf „Musik aus Deutschland“ zukommen könne. Ist das notwendige technische Equipment nicht im Gemeindehaus vorhanden, stellt es der Verein zur Verfügung.


Im großen Saal im ersten Obergeschoss – Bühne und Barbetrieb inklusive – können sich die jungen Nachwuchskünstler ausprobieren. Ziel sei es, das Erschaffene auf die Bühne zu bringen. Auch hierbei gilt: Alles kann, nichts muss.


Ein starres Unterrichtsprinzip gebe es nicht, sondern es handele sich vielmehr um learning by doing. „Wir geben keinen Unterricht, sondern Wissen weiter. Es kann sofort losgehen“, betont Christian Reder. Ziel sei es, den jungen Menschen zu zeigen, „dass Kunstmachen mehr Spaß macht, als anderen dabei zuzugucken. Es geht darum, etwas zu erschaffen – idealerweise in der Gemeinschaft, denn das meiste findet mittlerweile nur noch online statt.“


Svea (15) und Luna (16) haben das Projekt schon für sich entdeckt. Ihre jeweiligen Schwerpunkte sind Gesang beziehungsweise Piano. Unterstützt werden sie von Philipp Trottenberg, der Gitarre spielt. Sie treffen sich einmal pro Woche im Gemeindehaus, um gemeinsam Musik zu machen. Bei Bedarf und wenn die Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, können die Nachwuchskünstler auch häufiger proben. „Sie sind schon ziemlich weit“, lobt Christian Reder. Sängerin Svea hatte bereits ihren ersten Auftritt in der ASG-Aula. Im Herbst wird die Gruppe dann einen gemeinsamen Auftritt im Gemeindezentrum haben.


Die beiden Teenager sind kein Beispiel für den Fachkräftemangel, der sich auch in der Musikbranche bemerkbar mache. „Es ist kaum Nachwuchs da. Vieles ist auf die Gitarre ausgerichtet, mit Bass, Schlagzeug und allem anderen wird es schon kritisch“, weiß Christian Reder. Hier setzt ein zweites Projekt von „Musik aus Deutschland“ an, das musikalische Früherziehung – „live und in Farbe" – für Vorschul- und Grundschulkinder anbietet. Derzeit werden so Kinder aus drei Einrichtungen gefördert. Das kostenlose Projekt findet dreimal jährlich, immer vor den Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien, statt und wird ebenfalls von der St. Elisabeth-Kirchengemeinde unterstützt. Am 8. Juli bekommen die jungen Künstler Besuch von „Maikes Rappelkiste“. Die Künstlerin Maike Toussaint aus Düren veröffentlicht seit 2021 regelmäßig Musik und Musik-Hörspielproduktionen für Kinder und tritt deutschlandweit mit interaktiven Bühnenprogrammen auf. Für die geschlossene Veranstaltung am 8. Juli nimmt sie keine Gage – dies ist ein Beispiel für die Netzwerkarbeit von „Musik aus Deutschland e.V.“


Unser Ziel ist, Kunst für alle anzubieten“, fasst Christian Reder zusammen. „Und wir haben hier ein super Gemeindehaus. Das mit Leben zu füllen, damit es nicht irgendwann geschlossen wird, ist ebenfalls ein Ziel.“ „Nur Häuser, die leben, können erhalten bleiben“, sagt Fritz Vierhaus von der Kirchengemeinde St. Elisabeth.


Kontakt: Wer Interesse hat, an dem Jugendprojekt teilzunehmen, kann sich bei Christian Reder melden (Tel.: 0163 4405850; Mail: chrecas@gmail.com).


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Autor

Nina Möhlmeier

Nina Möhlmeier

Freie Mitarbeiterin