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Streit um neuen Namen für den Geologischen Garten

Rat beschließt den Zusatz „Karl Liedtke“ – Stadtgestalter/Volt kritisieren das Verfahren und hätten die Anlage lieber nach der Geologin Eva Paproth benannt

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Der Geologische Garten in Bochum soll künftig den Namen „Geologischer Garten – Karl Liedtke“ tragen. Das beschloss der Rat der Stadt Bochum in seiner Sitzung am 16. Juli 2026. Die Gruppierung Stadtgestalter/Volt kritisiert sowohl die Auswahl des Namensgebers als auch das Verfahren, das dem Beschluss vorausging.


Karl Liedtke war Lehrer, Schulleiter, Bildungsgewerkschafter und langjähriger SPD-Politiker. Von 1956 bis 1970 gehörte er dem Bochumer Stadtrat an, anschließend vertrat er Bochum über viele Jahre im Deutschen Bundestag. Dass Liedtke grundsätzlich eine Würdigung durch die Stadt verdient habe, stellen die Kritiker nicht infrage. Sie bezweifeln jedoch, dass ausgerechnet der Geologische Garten der passende Ort dafür ist.


Eine erkennbare fachliche Verbindung Liedtkes zur Geologie oder zur Entstehung des Geologischen Gartens besteht nach Darstellung von Stadtgestalter/Volt nicht. In der Ratsdebatte habe die SPD darauf verwiesen, dass Liedtke dort nach Angaben seiner Familie gerne spazieren gegangen sei. Für die Benennung einer bedeutenden Bochumer Anlage sei das aus Sicht der Gruppierung keine ausreichende Begründung.


Kritik am Verfahren im Ältestenrat


Auch das Zustandekommen des Vorschlags stößt bei Stadtgestalter/Volt auf Kritik. Nach Angaben der Gruppierung hatten sich der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert und der ehemalige Bundes- und Landespolitiker Christoph Zöpel an den damaligen Oberbürgermeister Thomas Eiskirch gewandt und angeregt, den Geologischen Garten nach Karl Liedtke zu benennen.


Das Anliegen sei anschließend den Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat vorgestellt worden. Dabei handelt es sich um ein informelles Gremium, das vor allem der Abstimmung und Organisation der Ratsarbeit dient. Nachdem die Fraktionsspitzen grundsätzlich Zustimmung signalisiert hätten, sei den Angehörigen Liedtkes bereits in Aussicht gestellt worden, dass die Benennung wie vorgeschlagen erfolgen werde.


Stadtgestalter/Volt sehen darin ein Verfahren, das zu stark über politische Absprachen und zu wenig über eine offene Beratung im Rat gelaufen sei. Die Gruppierung spricht in ihrer Stellungnahme von einem Vorgehen über „politische Hinterzimmer“ und wirft insbesondere SPD und Grünen vor, andere Fraktionen erst spät und lediglich formal einbezogen zu haben.


Die früher bestehende rot-grüne Mehrheit gibt es seit der Kommunalwahl 2025 allerdings nicht mehr. In der Ratssitzung äußerten nach Darstellung der Stadtgestalter deshalb auch Vertreter der Linken und der CDU Zweifel daran, ob Karl Liedtke der geeignete Namensgeber für den Geologischen Garten sei.


Eine zunächst fehlende Mehrheit sei schließlich doch zustande gekommen, nachdem Teile der CDU-Fraktion sich bei der Abstimmung enthalten hätten. Die SPD habe zuvor darauf verwiesen, dass den Angehörigen die Ehrung bereits angekündigt worden sei. Stadtgestalter/Volt kritisieren, dass eine solche vorherige Zusage den Rat politisch unter Druck gesetzt habe.


Eva Paproth als fachlich passende Alternative


Stadtgestalter/Volt hatten vorgeschlagen, den Geologischen Garten stattdessen nach Eva Paproth zu benennen. Die vielfach ausgezeichnete Geologin und Paläontologin war über Jahrzehnte beim Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen tätig und international in der geologischen Forschung anerkannt.


Nach Angaben der Gruppierung war Paproth zudem daran beteiligt, dass der Geologische Garten in Bochum als Naturdenkmal ausgewiesen wurde. Damit bestehe sowohl ein fachlicher als auch ein unmittelbarer örtlicher Bezug. Eine Benennung nach ihr hätte aus Sicht der Antragsteller deshalb deutlich nähergelegen.


Hinzu kommt die Frage, wie häufig Frauen bei der Benennung von Straßen, Plätzen und öffentlichen Anlagen berücksichtigt werden. Stadtgestalter/Volt verweisen auf eine Verständigung des Rates aus dem Jahr 2022. Danach soll bei Benennungsverfahren verbindlich geprüft werden, ob eine Frau mit einem sachlichen und örtlichen Bezug als Namensgeberin infrage kommt.


Eine solche Prüfung habe es beim Geologischen Garten nach Darstellung der Gruppierung nicht gegeben. Die Kritiker werfen SPD, Grünen und Verwaltung vor, diesen Grundsatz im vorliegenden Fall nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.


Würdigung Liedtkes an einem anderen Ort


Stadtgestalter/Volt betonen, dass eine Benennung nach Eva Paproth eine Würdigung Karl Liedtkes nicht ausgeschlossen hätte. Für den früheren Lehrer, Schulleiter, Gewerkschafter und Bildungspolitiker hätte sich nach ihrer Ansicht ein Ort mit Bezug zu Bildung, Schule oder Politik angeboten.


Als Beispiel nennt die Gruppierung einen neu oder zeitgemäß gestalteten Platz im Umfeld des 11. Gymnasiums. Damit hätte Liedtkes Lebensleistung an einem inhaltlich passenden Ort gewürdigt werden können, während der Geologische Garten den Namen einer bedeutenden Geologin erhalten hätte.


Der Ratsbeschluss ist inzwischen gefasst. Der Geologische Garten wird den Zusatz „Karl Liedtke“ erhalten. Die politische Auseinandersetzung endet damit jedoch nicht. Stadtgestalter/Volt fordern, dass künftige Benennungen nachvollziehbarer vorbereitet, offen im Rat diskutiert und stärker am tatsächlichen Bezug einer Persönlichkeit zum jeweiligen Ort ausgerichtet werden.


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  • Quelle(n):

Autor

Nils Bettinger

Nils Bettinger

Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.

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